September 22, 2018

Deutschklasse

Die Arbeit in der Deutschklasse

Unsere Deutschklasse wurde infolge des Flüchtlingsstromes aus Nahost im Schuljahr 2015/16 eingerichtet. Zurzeit werden dort 12 Schülerinnen und Schüler aus Syrien, dem Irak, Afghanistan, Venezuela und Rumänien im Alter von 11 bis 16 Jahren beschult. Die pädagogischen Aufgaben sind komplex und reichen über das rein schulische Lernen hinaus. Nach ihren Kriegs- und Fluchterlebnissen sollen die Kinder und Jugendlichen ihre Klasse zunächst einmal als „sicheren Ort“ erleben. Deshalb gelten dort Verlässlichkeit, klare Regeln und wiederkehrende Rituale und Rhythmen. Regelmäßige Exkursionen, z.B. zum Bio-Bauernhof sowie in den Sulzberger Lehrgarten, zum Rathaus und Bahnwärter oder Pfarrer schaffen Verbindungen zur Gemeinde und ihren Bewohnern. Innerschulische Netzwerke werden aufgebaut durch – zum Teil mehrsprachige – Lesungen für die Regelklassen oder Einladungen zu selbst erarbeiteten Puppenspielen und (non-verbalen) Theater-Aufführungen. Im Rahmen dieser Aktivitäten erleben die Geflüchteten Selbstwert und Selbstwirksamkeit. Ähnlich verhält es sich in den Fächern Sport und Soziales. Hier sind die Migranten integriert in den Regelunterricht und können – jenseits von sprachlichen Barrieren – ihre körperlichen und hauswirtschaftlichen Fähigkeiten unter Beweis stellen.

Beim schulischen Lernen spielt die Individualität eine große Rolle, denn die Lernbiografien der Geflüchteten sind meist sehr lückenhaft. Jeder einzelne wird dort abgeholt, wo er steht. Das Zentrum des Unterrichts bildet der Erwerb der deutschen Sprache in Wort und Schrift. Diese wird nicht nur im Deutschunterricht  mit insgesamt 10 Schulstunden pro Woche vermittelt, sondern auch in den Fächern GSE, PCB und Mathematik. In diesem Schuljahr wurden die Werteerziehung, Wirtschaft und Technik neu in den Fächerkanon aufgenommen. Da der Wortschatz die Grundlage für den Aufbau der Sprache ist, finden mehrfach pro Woche Vokabeltests statt. Bei Neuankömmlingen wird zuerst der Grundwortschatz aufgebaut, später dann das fachspezifische Vokabular für alle übrigen Fächer. Gelernt wird mit Lehrwerken, die speziell für Migranten entwickelt wurden. Sie orientieren sich – sprachreduziert – an allen lehrplanrelevanten Inhalten und dienen dem späteren Einstieg in die Regelklassen.